Island – Elfeninsel mit Fußbodenheizung

Island ist in Mode gekommen. Innerhalb von wenigen Jahren hat die Anzahl der Touristen die Einwohner um mehr als das Dreifache überstiegen. Ein bisschen überrascht mich diese Entwicklung, denn es ist keine Insel für Jedermann. Ich bin auf jedem Fall begeistert von diesem Land. Wildromantisch. Unverbogen. Unendliche Weite. Wenig Mensch. Viel Natur.

Die Entdeckung Islands beginnen wir zunächst mit einem Wochenende. Noch ist Winter, die Nordlichter locken, gleichzeitig sind die Tage wieder lange genug. In den gut zwei Tagen konzentrieren wir uns auf Reykjavik und die Südküste und die dort angepriesenen „Touristen-Attraktionen“.

 – Freitagabend –

Am ersten Abend machen wir uns auf die Suche nach den Nordlichtern. Zugegebenermaßen nicht alleine, sondern mit einem Bus, der bis auf den letzten Platz besetzt ist. Vor allem mit Amerikanern und Engländern. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass New York gerade einmal 5 und London 3 Flugstunden von der Hauptstadt entfernt sind.

Wir werden also im Bus durch die Nacht geschaukelt, vielsprechend klar sieht es aus. Erster Stop. Unser Guide steigt aus, sieht fachkundig in den Himmel, schüttelt den Kopf, steigt wieder ein. Nein, hier ist es nicht gut. Und weiter geht es. Dann Klo-Pause. Manche brauchen einen Snack wegen der bisherigen Strapazen. Ich erinnere mich wieder der Vorteile von Individualreisen. Nächster Stop, gleiches Prozedere. Nein, auch hier keines der mysteriösen grün-gelb-bläulich flackernden Leuchterscheinungen in Sicht. Letzter Halt bringt uns direkt an die Küste an eine kleine Kirche. 3 Busse sind schon da, wahrer Geheimtip. Dick eingepackt und mit dem besten oder zumindest größten Kameras und Stativen (außer uns) ausgestattet, stapfen wir durch Schnee auf einen Hügel.  Beeindruckender Sternenhimmel. Milchstraße. Meeresrauschen. Sonst nichts. Auch keine Polarlichter. Schade. Manchmal hat man Glück und manchmal eben nicht, meint unser Guide.

 – Samstag –

Früh geht es los, denn heute steht der Golden Circle auf dem Programm.  Ein Klassiker, der im Prinzip die drei „Hauptattraktionen“ der Südküste verbindet.

Nr 1: Wir stehen im Pingvellir, Nationalpark und UNESCO Welterbe, 40 km östlich von Reykjavik. Hier verlaufen die amerikanischen und europäischen Kontinentalplatten. Jedes Jahr driften sie um ca. 2cm auseinander. Die Schlucht, in der auch ein paar Häuser stehen, wird dadurch immer breiter und Island immer größer. Geschichtlich geht es in die Wikinger-Zeit zurück. Hier wurden regelmäßig Versammlungen gehalten und daher gilt dies auch als eines der ältesten Parlamente.

Nr 2: Island verbindet man auch mit heißen Quellen und Geysiren. Bekannt und Namensgeber für alle anderen sprudelnden Quellen auf der Welt ist das Heißwassergebiet um Geysir. Geysir, der Größte ist nicht mehr aktiv, aber auch Strokkur lässt sich nicht lumpen und pustet alle paar Minuten eine Fontäne mit bis zu 35m in die Höhe. Wohl dem, der die Windrichtung dabei berücksichtigt. Nicht unbedingt mehr heiß, aber definitiv nass. In den vielen kleinen Löchern oder Vertiefungen sprudelt das Wasser fröhlich vor sich hin. Diverse Schilder weisen darauf hin, besser nicht den Finger reinzuhalten. Bei knapp 100 Grad auch eher unangenehm.

Nr 3: Beeindruckend ist der Wasserfall Gullfoss und steht den Niagara-Fällen in nicht sehr viel nach. Ok, es gibt kein Touri-Boot, das in die Wassermassen hineinfährt, keine Hotels und Casino Anlagen. Aber ist doch eigentlich auch ganz schön, so ohne das Brimborium. Obwohl die Energiegewinnung aus regenerativer Energie für die Bevölkerung locker ausreicht, wurden Anfang der 20er Jahre Pläne zum Bau eines Staudamms und Elektrizitätswerks entwickelt. Es kam zu Prozessen durch die Bevölkerung und erst nachdem eine Isländerin mit dem Freitod im Wasserfall drohte, sah man von dem Bau ab. Als Steinfigur wacht sie mit ziemlich grantigem Gesichtsausdruck (könnt sich ja schon freuen, war immerhin erfolgreich) über das – in der Zwischenzeit – Naturschutzgebiet.

Island_Gulsfoss

Bevor es zurück nach Reykjavik geht, besuchen wir die  Secret Lagoon. Das älteste Schwimmbad der Insel. Sehr naturbelassen. Es gibt eine Umkleide, eine Dusche, auch eine Bar. Ende des 19.Jhd. hat man ein Loch gebuddelt, das mit kaltem Wasser und heißen Quellen gespeist wird. Der Boden ist weich aus feinem Lavasand und ein paar Steine laden zum Sitzen in dem ca. 40 Grad heißem Wasser ein. Manchmal wirds auch kurzzeitig wärmer, denn das heiße Wasser wird in kleinen Rinnsalen ins Becken geleitet. Man sitzt, steht, schwimmt, wahlweise mit einem Bier oder Wein, im Wasser und genießt.  Für umgerechnet 20EUR kann man sich so lange im Wasser treiben lassen bis man gar ist. Schon sehr gemütlich und gerade weil es so einfach und ganz ohne Schnick-Schnack ist, sehr sympathisch. Man fühlt sich direkt isländisch dabei. Wird’s einem zu heiß, kann man einen kleinen Spaziergang um das Becken herum machen und den brodelnden Quellen folgen. Aber nicht den Finger reinhalten…

Abends machen wir noch einen Spaziergang durch Reykjavik, nördlichste Hauptstadt der Welt. Irgendwie niedlich, ein bisschen weihnachtlich mit den Lichterketten und dem Schnee. Teilweise Schnee. Denn Reykjavik hat in Teilen der Stadt Fußbodenheizung. Nicht aus Dekadenz heraus, sondern Cleverness beim Einsatz ihrer reichen Ressourcen. Sie machen sich die Geothermie zu nutze, indem sie den Dampf in Elektrizität wandeln und das um die 80 Grad heiße Wasser von den Quellen in die Stadt leiten. Das immer noch heiße Abwasser wird unter den Straßen und Wegen abgleitet. Fußbodenheizung so ganz nebenbei.

Von den 330.000 Isländern, leben 2/3 im Großraum Reykjavik.

 – Sonntag –

Der Sonntag steht im Zeichen von Gletschern und Vulkanen.  Nirgendwo sonst gibt es so vulkanische Aktivität wie hier.  Alle paar Minuten finden kleine, für den Menschen unmerkliche Beben statt und all 4-5 Jahre bricht einer der Vulkane sichtbar aus. Eyjafjallajökull in 2010, ist der wohl Bekannteste, weil er den Flugverkehr für Tage lahmlegte und für alle Nicht-Isländer einfach unaussprechlich ist.

Mit dem Superjeep geht es über´s Land. Einmal aus dem Großraum der Hauptstadt befindet man sich im Nichts. Abgesehen von den Top-Straßen gibt es nicht viel was an Zivilisation erinnert. Vereinzelt sieht man ein Haus oder Stallung, mal einen Zaun. Den Blick kann man weit schweifen lassen, nichts was ihn hindern könnte. Teilweise verschwimmt die Grenze zwischen den mit Schnee bedeckten Flächen und dem Himmel. Hie und da ein Vulkan am Horizont. Und Pferde. Davon jede Menge. Mit ihren kurzen Beinchen und der properen Statur erinnern die Island Pferde eher an Ponys. Weltweit beliebt und viel gekauft. Hat ein Island Pferd einmal seine Insel verlassen, darf es nicht wieder zurück, um die Reinheit der Rasse zu gewährleisten.

Jetzt lohnt es sich erst wirklich, dass wir in einem solchen Gefährt sitzen. Luftdruck in den Reifen reduzieren und los geht´s quer Feld ein durch das unberührte Thórsmörk Tal, das zwischen drei Gletschern liegt. Wir fahren am Tindfjallajökull vorbei und weiter zum Eyjafjallajökull. Es geht über Eis, durch Flüsse, steil abwärts und steil bergauf, ein Schlagloch folgt dem anderen. Die Fahrt macht man besser nicht nach einem reichhaltigen Essen…. Macht aber irrsinnig Spaß!

Am Fuße des Gletschers angekommen, dürfen wir aussteigen und die Gegend ein wenig selbst erkunden. Das Blau des Eises schimmert durch den Schnee. Ein kleiner Fluß hat sich seinen Weg durch das Eis gebahnt.

Auf dem Weg zurück nehmen wir noch zwei Wasserfälle, Skogafoss und Seljalandsfoss (Bild u. re.) mit. Jetzt kann man sagen, haste einen gesehen, kennste alle. Aber schön ist es dann doch immer wieder!

Gischt verspürt feinen Wassernebel, der aus den Wegen zu den Wasserfällen eine einzige Rutschbahn macht. Wie auf Eiern bewegen sich die Leute staksig voran. Ein gut beleibtes amerikanischen Pärchen schreitet mit schnellem Schritt auf uns zu und ich denke, wenn die beiden jetzt ausrutschen, gibt es eine Kegelrunde. Bei näherer Betrachtung fällt auf, sie haben sich Spikes unter die Schuhe gebunden. Hey, da war jemand vorbereitet!

Beim Seljalandsfoss kann man auch hinter den Wasserfall selbst gehen. Sicherlich ein Spaß. Da wir uns die Dusche bei den Temperaturen lieber sparen möchten, heben wir uns das für einen Sommerbesuch auf.

Was hat es eigentlich mit den Elfen und Trollen auf sich? 

Die meisten Islander sind Christen, wobei man sagen muss, die Missionare waren damals wohl nicht ganz so gründlich. Hartnäckig hält sich der Glaube an Naturgeister. Es gibt Elfenkarten, auch eine Elfenbeauftragte im Bauamt. Sie ist gewissermaßen der Dolmetscher zwischen Elfen, Trollen, Gnomen und anderen den meisten Menschen verborgenen Wesen und der „Nicht-Sehenden“-Welt. Da wird auch schon mal – ungeachtet der Mehrkosten – der Straßenverlauf geändert, wenn ein Felsbrocken im Weg liegt und die dort lebenden Elfen nicht zu einem Umzug bewegt werden können. Wenn ihr also einen Knick in der Farbbahn seht oder eine Geländer um einen Stein, dann könnt ihr ja mal klopfen. Wer weiß, vielleicht bekommt ihr einen Antwort…

Island_Elfen

Auf die Frage an unseren Guide, ob er denn selbst an Elfen glaube, lächelt er vielsagend und meint, bisher ist ja nicht das Gegenteil bewiesen worden.

Ein bisschen verrückt sind die Isländer mit ihren Elfen, aber so sympathisch verrückt!

 

Die Tage sind verflogen, leicht hätten wir hier noch mehr Zeit verbringen können. Unsere Entscheidung ist schon jetzt gefallen. Island wird uns wieder sehen. Im Sommer, mit Wandern, vielleicht Radfahren und vielleicht mit dem einem eigenen Auto die Ringstraße abfahren!

 

AUFGEMERKT:

Island ist nicht so kalt, wie man vielleicht vermuten würde. Das Klima ist sogar recht gemäßigt mit knapp unter 0 Grad bis um die 18 Grad im Sommer.

Die Finanzkrise  hat Island 2008 schwer getroffen. Nach Unterstützung durch den IWF und diversen Reformen, ist die Insel aus dem Gröbsten raus, hat aber auch weiterhin noch an den Folgen zu knabbern. Fischerei, einst größter Sektor geht weiter zurück. Der Ausbau der Möglichkeiten zur Energie-Gewinnung aus natürlichen Ressourcen zum reinen Verkauf an andere Länder  wird heiß diskutiert. Ein starker Eingriff in die bisher sehr unberührte Natur wäre unumgänglich.

Währung: 1 EUR entsprechen 140 isländische Kronen (April 16).

Über Natura Hotel, lassen sich sehr gute Outdoor Pakete buchen.

KATEGORIE
Spaßfaktor
Anspruch
Dauer
Gastronomie
Jahreszeit
Kosten
Anreise
Karte
BEWERTUNG

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Bewertung_4_Sterne
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Bewertung_4_Sterne

HINWEISE
Viel Natur, wenig Mensch, kein „Halli-Galli“
Für Individual-Reisende bis Bus-Touris
2-3 Tage ausreichend für ersten Eindruck
In Reykjavik großes Angebot, außerhalb zu planen
Je nach Vorhaben ganzjährig möglich,
Hohes Preisniveau (0,3l Bier ca. 6 €)
ca. 3,5 Std. Flug von München
http://bit.ly/25LfOIL
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2 Gedanken zu “Island – Elfeninsel mit Fußbodenheizung

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